Cencilia – Ihr habt es so gewollt

War ja irgendwie klar, es wäre ja auch zu schön gewesen wenn wir Zensursula und Co final in ihre Schranken gewiesen hätten. Sind wir mal ehrlich, ganz kurz haben wir das schon geglaubt, oder? Wie dem auf sei, die Realität in Form der EU und in Person von Cecilia Malmström hat uns eingeholt. Das Thema Netzsperren ist wieder auf dem Tisch. Es ist mir für den Moment auch egal ob nun Initiativen der spanischen Regierung, die Verblendung Einzelner oder sogar unsere liebe Bundesregierung dahinterstecken. Viel wichtiger ist dass man auf der Gegenseite offenbar immer noch völlig merkbefreit durch die Welt stolpert. Wir werden schon wieder unterschätzt, allem Anschein nach nicht wahr- oder zumindest nicht ernst genommen.

Genau dieser Fehler wurde schon einmal begangen und das führte unter anderem zum explosionsartigen Wachstum der Piratenpartei und einer weitgehenden Politisierung der deutschen Blogosphäre. Die völlig beratungsresistente Politik hatte es geschafft dem Netz den Krieg zu erklären ohne es auch nur zu merken. Nerdcore hatte das am 18. Juni 2009 (Beschluss der Netzsperren) schön auf den Punkt gebracht:

„Liebe Politik,
nach diesem Beschluß eines Gesetzes, (…) wird es auf sie in diesem Internet nur noch Scheiße regnen. Das ist ein Versprechen.

Sie haben folgenden Fehler begangen: Sie unterschätzen das Netz. Und das im Jahr 2009, herzlichen Glückwunsch.“

Das Wichtigste ist dass sich Aktivisten aus allen Ecken, egal ob Piratenpartei, CCC, FoeBuD, MOGIS oder Blogger und bisher Unbeteiligte miteinander vernetzt und gemeinsam Stimmung gemacht haben. Ohne die Zensursula-Debatte wären wir nicht da wo wir heute sind. Wir haben uns endlich zusammen getan und den netzpolitisch zurück gebliebenen in Berlin mal vorsichtig angedeutet wie politikverdrossen wir wirklich sind. Zensursula war eine Art Katalysator und genau das Gegenteil von dem was die etablierten Parteien erwartet hatten. Wer das nicht verstanden hat dem ist nicht mehr zu helfen.

An Stelle der Netzsperren-Befürworter hätte ich mich ins ruhige Kämmerlein verzogen und meine Wunden geleckt, wissend gerade einen Geist gerufen zu haben den ich so schnell nicht mehr los werde. Frau Malmström muss mitbekommen haben was in Deutschland passiert ist, von ihrem Heimatland mal ganz zu schweigen. Also, was macht man da am Besten? Na klar, das nächste Fass auf, selbstverständlich ein größeres, Glückwunsch!

Aber was machen wir nun? Richtig, dasselbe wie vor einem Jahr, diesmal allerdings auf europäischer Ebene. Und jetzt wird es wirklich spannend. Wer sich an der deutschen Piratenpartei und ihrer Kampagne gegen Zensursula gestört hat wird kotzen wenn er feststellen muss dass sich nun alle europäischen Piraten zusammen gegen Censilia stellen. Wenn jemand der Meinung war das ACTA & Co als Grund nicht ausreichen und man das Wachsen einer vereinigten europäischen Piratenpartei beschleunigen müsse, meinen Respekt, das ist ein sehr vielversprechender Weg.

Wir haben die Argumente, wir haben die Leute, wir haben das Material und wir haben jetzt sogar Erfahrung. Ignoriert uns wieder als alberne Randerscheinung. Belächelt uns wieder als paranoide Spinner. Beschimpft uns wieder als Pädophile oder sonst was, gerne auch in allen europäischen Sprachen. Bekämpft uns wieder öffentlich und versucht uns klein zu reden. Erklärt wieder dass nur ihr die Freiheit retten könnt und dass das auch schon immer euer Plan war. Scheitert wieder und bekräftigt dass ihr das so ja nie gemeint habt und eigentlich auf unserer Seite steht. Das kennen wir schon, das spielen wir gerne nochmal mit euch durch. Das machen wir so lange bis ihr zur Besinnung kommt. Kein Problem, das halten wir schon aus, macht euch darum keine Sorgen.

2 Gedanken zu „Cencilia – Ihr habt es so gewollt

  1. Die Demokratie sei in Gefahr?. Mal ehrlich, wundert das noch? Es wird doch eh alles anders entschieden, als vom Volk gewollt. Wenn die Politiker sich nicht an Wahlversprechen halten, hat halt keiner mehr Lust auf Politik. Den Politikern sollte mal wieder klar werden, wer Ihnen zu dem Job verholfen hat.

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