Was mich zum Kotzen bringt

Ich muss mich mal auskotzen. Und ärgern. Vielleicht auch über mich selbst weil ich denke, dass ich das früher hätte kommen sehen müssen. Es geht um den Kreisverband Wetterau. Den habe ich 2009 mit gegründet, auch wenn das was von “Wie die Jungfrau zum Kind kam” hatte, aber so läuft das ja oft bei uns. Ich bin dem KV Wetterau jedenfalls sehr verbunden und war ja schließlich auch zwei Jahre im Vorstand.

Zum Thema: Irgendwelche Kasper, die warum-auch-immer als Bundesvorstand kandidieren sind das eine. Leute die man schon eine Zeit lang kennt, u.a. durch gemeinsamen Kommunalwahlkampf sind was anderes. Um so schlimmer wenn diese dann als Kreisvorstand gewählt werden und exakt ab diesem Zeitpunkt völlig durchdrehen. Auf einmal dringt kaum noch was vom Vorstand nach außen, Pads sind nicht mehr öffentlich, vMBs werden nicht durchgeführt und der Umgangston sinkt unter Kellerniveau. Ich meine, was geht in so jemandem vor? Monatelang zugucken wie es bei den Piraten läuft, Infostände, PMs, Vorstandssitzungen, Beschlüsse, Diskussionen usw. live miterleben und dann fast das exakte Gegenteil praktizieren? Wtf?

Dazu kommt dann noch ein Beisitzer, der zwar einen auf furchtbar schlau und auch technikaffin macht, aber selbst nach x-facher Bitte, Erklärung, Erläuterung und Diskussion immer noch nicht willens oder in der Lage ist einfachste Zusammenhänge so in eine eMail zu verpacken, dass auch nur eine Person außer ihm selbst die Chance hat das zu verstehen. Ungefragt seitenweise Links auf ne ML schmeißen klappt wunderbar, besonders wenn sich mehrere Leute zu Recht wegen solchem Spam beschweren. Einer Zeitung aber innerhalb von drei Tagen den korrekten Ort für einen Stammtisch mitzuteilen, das geht natürlich nicht und wer was anders behauptet wird dumm von der Seite angemacht.

Es geht mir schlicht und ergreifend nicht in den Schädel. Mittlerweile schwanke ich in meiner Interpretation nur noch zwischen vollständiger Unfähigkeit und Überforderung oder böser Absicht. Vermutlich ja ersteres, aber selbst wenn das stimmt gehört schon einiges dazu über zig Wochen quasi ausschließlich mit Rumpöbeln, mangelnder Kompromissbereitschaft und vollständig fehlender Einsicht zu glänzen. Noch dazu werden durch so einen Mist quasi im Vorbeigehen andere PIraten ausgebremst und im Zweifel verbrannt. So habe ich mir das nicht vorgestellt und dabei kann ich auch nicht zuschauen. Zum Glück stehe ich damit nicht alleine da und wir werden uns den KV mit Sicherheit nicht von irgendwelchen Möchtegern-Oberpiraten mit deutlich verschobener Wahrnehmung kaputt machen lassen.

Es muss und wird also was passieren, nicht das uns noch einer der Nachbarkreise not-annektiert oder so was. Nicht nur dass solche Figuren unterm Strich der ganzen Partei schaden, nein, man macht sich als KV auch noch zum Fail-Beispiel der Piraten. Wer den Schade hat, braucht eben für den Spott nicht zu sorgen.

openmind 2010: WTF?

Logo der openmind 2010Am vergangenen Wochenende fand in der Kasseler Jugendherberge die openmind 2010 mit ca. 120 Teilnehmern statt. Neben der Chance eine Menge toller Menschen zu treffen und mit ihnen bei einer Mate zu diskutieren, standen selbstverständlich die Vorträge im Mittelpunkt. Die openmind war jedoch keine gewöhnliche Programmfindungs-Veranstaltung, sondern hatte einen etwas spezielleren Ansatz.

Zum besseren Verständnis, die Idee der openmind (lt. Website):

Wir als Bewohner des Netzes sprechen oft von Freiheit, Demokratie, Selbstregulierung. Aber was verstehen wir eigentlich darunter? Sprechen wir von den gleichen Dingen? Und warum wollen sie fördern? Was kann eine Gesellschaftsvision für das digitale Zeitalter sein?

Zugegeben, besonders konkret ist diese Beschreibung nicht, soll sie aber auch gar nicht sein. Es sollte eben nicht ein bestimmter Absatz in irgendeinem Text aus irgendeinem Vorschlag zum irgendeinem Wahlprogramm bis ins Detail seziert werden. Ziel war viel mehr eine gemeinsame Basis in die bereits vorhandenen Diskussionen zu bekommen, einen Schritt zurück zu gehen und uns über grundsätzliche Ausgangspunkte und Vorstellungen klar zu werden. Oft sind Ideen und Begriffe nämlich weit weniger klar und allgemein verstanden als man denkt.

Ein Beispiel aus dem letzten von mir besuchten Vortrag am Sonntag Nachmittag: Kern der Hartz4-Debatte sollten eigentlich nicht fünf Euro mehr oder weniger sein, sondern viel mehr die Frage was ein Mensch denn generell benötigt, von den physiologischen Grundbedürfnissen bis hin zur Selbstverwirklichung, um in Würde leben zu können. Wenn wir dazu eine Position finden, lassen sich auch ganz konkrete Vorschläge und Forderungen daraus ableiten.

Wir sind allerdings nicht nur auf der Meta-Ebene rumgeschwirrt, ein paar ganz handfeste Debatten, wie zum Beispiel “Muss das Urheberrecht fallen?” gab es natürlich auch, wir sind ja schliesslich Piraten. Alles in allem waren die Vorträge und Diskussionen auf hohem Niveau und es war mir eine große Freude mit so vielen intelligenten Menschen an dieser Veranstaltung teilnehmen zu dürfen. Leider waren am Ende der openmind 2010 noch keine Karten für die openmind 2011 zu kriegen, mittlerweile ist diese aber wohl schon in Planung.

Besondere Erwähnung finden sollten noch die Vorträge von mspro (“Das radikale Recht des Anderen“) und ganz speziell Jean-Pol Martin (“Das Ich ins Netz exportieren“), da beide die anschliessenden Diskussionsrunden, Tischgespräche, Raucherdebatten und sogar andere Vorträge nachhaltig beeinflusst haben. Selbstverständlich gab es viele weitere sehr gute, teils hervorragende Blocks, ich empfehle unbedingt die Aufzeichnungen anzuschauen.

Bleibt nur zu sagen:
Vielen Dank an die Orga, alle Gäste und Referenten, ich freue mich aufs nächste Jahr!